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Traktor-Glossar

30 Fachbegriffe aus den Datenblättern, kurz erklärt: was hinter einer Angabe steckt und worauf man beim Vergleichen achten sollte.

Motor & Leistung

Nennleistung
Die Leistung, die der Motor bei seiner Nenndrehzahl abgibt – der übliche Vergleichswert in Prospekten und auf unseren Datenseiten. Gemessen wird nach einer Prüfnorm (z. B. ECE R 120 oder ISO 14396); Werte nach unterschiedlichen Normen lassen sich nicht direkt vergleichen.
Maximalleistung und Boostauch: Boost, Leistungsreserve
Viele Motoren erreichen ihre höchste Leistung unterhalb der Nenndrehzahl. Einige Hersteller geben zusätzlich einen Boost an: Mehrleistung, die die Motorsteuerung nur unter bestimmten Bedingungen freigibt, etwa bei Zapfwellenarbeit oder Transportfahrt. Unsere Ranglisten vergleichen deshalb die Nennleistung.
PS und kW
1 kW entspricht 1,36 PS, 1 PS entspricht 0,7355 kW. Beide Angaben stehen auf den Datenseiten; umrechnen lässt sich mit dem PS-kW-Rechner.
Drehmoment und Drehmomentanstiegauch: Drehmomentanstieg
Das Drehmoment ist die Drehkraft an der Kurbelwelle in Newtonmeter (Nm). Der Drehmomentanstieg gibt in Prozent an, wie stark das Drehmoment von der Nenndrehzahl bis zu seinem Höchstwert zunimmt. Ein hoher Anstieg bedeutet, dass der Motor unter Last kräftig nachzieht, bevor er zurückgeschaltet werden muss.
Hubraum
Das Volumen, das alle Kolben zusammen bei einer Umdrehung verdrängen, meist in Litern angegeben. Mehr Hubraum heißt nicht automatisch mehr Leistung – Aufladung und Einspritzung spielen mit –, sagt aber viel über die Auslegung des Motors.
Abgasstufe (EU-Stufe V)auch: Stufe V, Tier 4 final, Abgasnorm
Die EU legt für Motoren mobiler Maschinen Grenzwerte in Stufen fest (I, II, IIIA, IIIB, IV, V). Stufe V gilt für neue Traktormotoren je nach Leistungsklasse seit 2019 bzw. 2020. In Nordamerika heißen vergleichbare Stufen „Tier“. Die Abgasstufe hilft oft, Generationen eines Modells zu unterscheiden.
AdBlue und SCRauch: AdBlue, SCR, DEF
AdBlue ist eine Harnstofflösung, die in den Abgasstrang eingespritzt wird. Im SCR-Katalysator wandelt sie Stickoxide in Stickstoff und Wasser um. Traktoren mit SCR brauchen einen eigenen AdBlue-Tank; der Verbrauch wird im DLG-PowerMix gesondert gemessen.

Getriebe & Antrieb

Stufenloses Getriebeauch: CVT, Vario, Leistungsverzweigung
Ein Getriebe, das die Übersetzung ohne feste Gänge verändert. Bei Traktoren meist hydrostatisch-mechanisch leistungsverzweigt: Ein Teil der Leistung läuft über eine Hydraulikeinheit, der Rest mechanisch. Handelsnamen sind z. B. Vario, AutoPowr, CVX oder CMATIC.
Lastschaltgetriebeauch: Powershift, Teillastschaltung, Volllastschaltung
Gänge oder Stufen lassen sich unter Last wechseln, ohne die Kupplung zu treten. Bei einer Teillastschaltung gilt das nur für einige Stufen innerhalb einer Gruppe, bei einer Volllastschaltung für alle Gänge.
Wendeschaltungauch: Reversierer, Power Shuttle
Umschaltung zwischen Vorwärts- und Rückwärtsfahrt, bei Lastschalt-Wendeschaltungen ohne Kupplungspedal. Wichtig für Frontladerarbeit mit vielen Richtungswechseln.
Allrad und Hinterradantriebauch: 4WD, 2WD
Bei Allradtraktoren ist die Vorderachse zuschaltbar oder permanent mit angetrieben, das verbessert die Zugkraft vor allem auf weichem Boden. Reine Hinterradtraktoren sind heute vor allem bei älteren oder kleinen Modellen zu finden.

Hydraulik & Hubwerk

Load-Sensingauch: LS
Eine Hydraulik, bei der eine Verstellpumpe nur so viel Öl und Druck liefert, wie die angeschlossenen Verbraucher gerade anfordern. Das spart gegenüber einer Konstantstrom-Hydraulik (Zahnradpumpe mit gleichbleibendem Ölstrom) Energie und Wärme.
Förderleistung der Hydraulikpumpe
Wie viel Öl die Pumpe pro Minute liefert, in Litern pro Minute (l/min). Zusammen mit dem Druck ergibt sich die hydraulische Leistung: kW = bar × l/min ÷ 600 – nachrechnen lässt sich das im Hydraulikleistungs-Rechner.
Steuergeräteauch: ew, dw
Hydraulikanschlüsse am Traktor, über die Zylinder und Motoren am Anbaugerät angesteuert werden. „ew“ steht für einfachwirkend (Öl drückt nur in eine Richtung), „dw“ für doppeltwirkend (Öl drückt in beide Richtungen).
Hubkraft
Die Kraft, die der Kraftheber heben kann. Hersteller messen sie unterschiedlich: an den Koppelpunkten der Unterlenker oder als durchgehende Hubkraft über den ganzen Hubweg – die durchgehende ist deutlich niedriger. Angegeben wird sie in daN oder in kg; 1 kg Gewichtskraft entspricht rund 0,98 daN, die Abweichung liegt also bei etwa 2 %.
Dreipunkt-Kategorieauch: Kat. II, Kat. III
Die Norm ISO 730 teilt die Dreipunkt-Anbauräume in Kategorien (I bis IV) ein. Sie legen Bolzendurchmesser und Abstände fest, damit Traktor und Gerät zueinander passen. Größere Traktoren haben höhere Kategorien.
Fronthydraulikauch: Frontkraftheber
Ein Kraftheber an der Traktorfront für Geräte wie Frontmähwerke oder Frontgewichte. Seine Hubkraft wird getrennt von der Heckhubkraft angegeben.

Zapfwelle

Zapfwellendrehzahl (540, 1000, E)auch: 540E, 1000E, Eco-Zapfwelle
Genormte Drehzahlen sind 540 und 1000 Umdrehungen pro Minute. Die Zusätze „E“ oder „Eco“ bedeuten, dass diese Drehzahl schon bei abgesenkter Motordrehzahl erreicht wird – das spart Kraftstoff bei Arbeiten, die wenig Leistung brauchen.
Wegzapfwelle
Eine Zapfwelle, deren Drehzahl an die Fahrgeschwindigkeit gekoppelt ist statt an den Motor. Sie treibt z. B. die Achse eines Triebachsanhängers passend zum Traktor an.
Frontzapfwelle
Eine Zapfwelle an der Traktorfront, meist mit 1000 Umdrehungen pro Minute, zum Antrieb von Frontgeräten wie Mähwerken oder Mulchern.

Gewichte & Maße

Leergewicht
Das Gewicht des Traktors ohne Ballast, Zusatzgewichte und Anbaugeräte. Hersteller rechnen es nicht einheitlich – mit oder ohne Fahrer, vollem Tank oder Frontgewicht –, kleine Unterschiede zwischen Modellen sagen deshalb wenig.
Zulässiges Gesamtgewicht und Zuladungauch: Zuladung
Das zulässige Gesamtgewicht ist die höchste erlaubte Masse inklusive Ballast, Anbaugeräten und Stützlast. Zieht man das Leergewicht ab, bleibt die mögliche Zuladung.
Leistungsgewicht
Leergewicht geteilt durch Nennleistung, in kg pro PS. Beim Traktor ist ein hoher Wert kein Nachteil: Gewicht bringt Traktion für schwere Zugarbeit, ein niedriger Wert steht für ein leichtes Fahrzeug für Pflege- und Transportarbeiten. Auf den Datenseiten ist es als abgeleiteter Wert markiert.
Radstand und Spurweiteauch: Radstand, Spurweite
Der Radstand ist der Abstand zwischen Vorder- und Hinterachse, die Spurweite der Abstand zwischen der Mitte der linken und rechten Räder einer Achse. Ein langer Radstand macht ruhiger im Zug und auf der Straße, ein kurzer wendiger.
Bodenfreiheit
Der kleinste Abstand zwischen Boden und dem tiefsten Punkt des Traktors, wichtig für Pflegearbeiten in stehenden Kulturen.

Tests, Zulassung & Daten

DLG-PowerMixauch: PowerMix
Ein praxisnaher Verbrauchstest der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft). Auf dem Prüfstand fährt der Traktor Zyklen aus Zug- und Zapfwellenarbeit nach; Ergebnis ist der Diesel- und AdBlue-Verbrauch in Gramm pro Kilowattstunde (g/kWh). Weil alle Traktoren dasselbe Programm fahren, sind die Werte gut vergleichbar.
OECD-Traktortest
Genormte, international anerkannte Prüfverfahren (OECD Tractor Codes) für Leistung, Hubkraft und weitere Kennwerte. Gemessene Werte daraus kennzeichnen wir als „unabhängig gemessen“.
Typgenehmigung
Die behördliche Zulassung eines Fahrzeugtyps – in der EU für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge nach der Verordnung (EU) Nr. 167/2013, in der Schweiz über das Bundesamt für Strassen (ASTRA). Maße und Gewichte aus der Typgenehmigung sind rechtlich verbindlich.
ISOBUS
Ein genormtes Kommunikationssystem (ISO 11783) zwischen Traktor und Anbaugerät. Damit lassen sich Geräte verschiedener Hersteller über ein Terminal in der Kabine bedienen.
Prüfstatus
Jeder Wert im Traktorlexikon trägt eine Herkunft: Herstellerangabe, unabhängig gemessen, Typgenehmigung, Fachpresse, gegengeprüftes Datenportal – oder er ist als abgeleitet, ungeprüft oder strittig markiert. Die Marker an den Werten und die Legende „Datengrundlage“ auf jeder Datenseite erklären, woher eine Zahl stammt. Mehr dazu unter Über Traktorlexikon.